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  Kernwaffen in negativer Entropie  
  Prof. Dr. Heinz Engelstädter, Nov. 2011  
  Beitrag zur internationalen Konferenz der Leibniz-Sozietät e.V.  
   
  Dieser Vortrag wurde im Februar 2012 vom Autor noch einmal vollständig überarbeitet und liegt nun in der aktuellen Fassung vor. Der neue Denkrahmen wurde weiter präzisiert.  
  Vorbemerkung - Ein neuer wissenschaftlicher Ansatz:  
  Energetische Verhältnisse bestimmen die historischen Ereignisse, denn sie sind das Wesentliche jeder natürlichen und menschlichen Situation, auf allen Ebenen und in der zeitlichen Entwicklung. Man muss die vorherrschenden Energien in ihrer Art und vielfältigen Beziehung zueinander analysieren, um etwas Verlässliches über die Entstehung, Reproduktion und schrittweise Erneuerung von historischen Vorgängen aussagen zu können. So könnten auch neue Wissenstiefen der Naturwissenschaft und Technologie sowie der Sozial- und Geisteswissenschaften erschlossen werden. In der Summe führen diese Erkenntnisschritte zu einer ganzheitlichen Wissenschaft vom Menschen.  
   
  Textauszug: 1,5 Seiten (A4) von insgesamt 13  
  Immanuel Kant, der große Aufklärer, entwarf zu seiner Zeit Prinzipien ewigen Friedens. Heute bedürfen sie der Ergänzung, um den Weg in eine atomwaffenfreie Welt zu finden. Dafür ist ein Denkrahmen erforderlich, der weltweit akzeptiert werden kann. Aufklärerisches ist dafür nur bedingt geeignet. Seine Vorzüge erreichen nicht alle Menschen und selbst wo das der Fall ist, bleibt der logische Entscheidungsrahmen stets auf Fakten und Trends beschränkt, die bereits gegeben sind. Um danach logisch folgerichtig zu definieren und zu schlussfolgern, muss jede innere Widersprüchlichkeit eines Ereignisses gedanklich ausgeschlossen werden. Infolgedessen kann Aufklärerisches die historische Eigendynamik von Ereignissen in Natur und Menschenleben nicht ermitteln, z.B. warum Alleinherrschaftsanspruch unweigerlich scheitert. Entwicklungsgerechtes Entscheiden wird erforderlich, d.h. Denken und Handeln im Wi-derspruch der Sache selbst, nicht nur in äußeren Unterschieden und Gegensätzen. Dieses entwickelte dialektische Verstehen von Ereignissen und Prozessen ist noch völlig ungewohnt, wird aber in der globalen Wirklichkeit der Menschen unerlässlich, um größere Irrtümer und Katastrophen zu vermeiden. Allgemeinplätze über Dialektik sind hier schnell zur Hand. Mit ihnen wird die Schwierigkeit umgangen, die historische Eigendynamik eines konkreten Ereignisses zu untersuchen, etwa des sog. realen Sozialismus, des heutigen Kapitalismus oder früherer Entwicklungsländer. Stets handelt es sich um kreative energetische Vorgänge des Werdens und Vergehens. Wir kennen sie bereits aus der Naturwissenschaft und bezeichnen sie als negativ-entropisch. Sie ermöglichen die differenzierte Betrachtung eines Ereignisses, die viel weiter geht als aufklärerisches Urteilen. Wirken solche energetischen Vorgänge nicht auch in der sozialen Evolution, in den Lebensschicksalen der Menschen und Gemeinschaften? Nicht umsonst spricht man von der Kraft eines Volkes, von Persönlichkeiten und Gesellschaftssystemen. Der Begriff negative Entropie erlangt dann einen ganzheitlichen philosophischen Sinn, der die eigenständige energetische Evolution eines Ereignisses in seinen überlebensfähigen Energien und Strukturen sachgerecht kennzeichnet. Daran scheitern subjektive Ideologien und Machtstrukturen, denn das jeweilige Ereignis bringt die ihm gemäße energetische Organisiertheit selbst hervor. Deshalb überwindet die Menschheit heute allmählich einseitige Machtinteressen, ideologische Konfrontationen und historische Irrtümer in den Gesellschaften als auch in der persönlichen Entwicklung. Energetisch dissipative Strukturen werden erkennbar, d.h. Übergänge - bei Hegel das Wichtigste - zu einer entwicklungsfähigeren Welt in Individualität, Frieden und sozialer Sicherheit. Der allmähliche Abbau von Kernwaffen ist ein solcher Übergang. Kreative soziale Energien rufen ihn hervor, die in überlebensfähige gesellschaftliche Strukturen münden. Dieser Vorgang ist Ergebnis der globalen sozialen Evolution, die um 1900 einsetzte und zunächst zwei weltweite militärische Konfrontationen mit sich brachte. Kernwaffen erwiesen sich als technologisches Machtinstrument von gesellschaftlicher Ambivalenz. Diese Widersprüchlichkeit folgt aus den Handlungen von Menschen, dem Elementarereignis der sozialen Evolution. Denn betrachtet man Handeln genauer, dann ist es zunächst konkrete Tat und ihr Trend. Solche Erscheinungsbilder sind unmittelbar wahrzunehmen und bestimmen das alltägliche Entscheiden und Handeln. Wissenschaftlich müssen Ereignisse zunächst ebenso analysiert werden. Noch nicht erschlossen wird damit jedoch ihr Platz in der Geschichte. Darüber geben erst die energetischen Verhältnisse Aufschluss, die ein Ereignis hervorbringen, reproduzieren, erneuern und bis an sein Ende wirken. Sie sind das Wesentliche eines Ereignisses in der Natur wie im Menschenleben. Dieser Widerspruch zwischen der Realität eines Ereignisses und der Wirklichkeit seiner Verhältnisse erklärt dessen Ambivalenz auch im Erkennen. Denn als Fakt oder Trend wird ein Ereignis unmittelbar wahrgenommen. Seine Verhältnisse können wir uns lediglich über ihre Wirkungen auf unsere Sinne vorstellen. Deshalb ist ein Verhältnis erst durch Erfahrung, Vorstellungskraft und wissenschaftliche Theorie zu erschließen, z.B. die Gravitation im Fall eines Körpers oder die wechselseitige Energie in Bindungen von Freundschaft, Liebe und Solidarität. Entscheidungen bleiben einseitig, wenn die wahrnehmbare Realität eines Ereignisses nicht in seinen natürlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen verstanden wird. Diese widersprüchliche Struktur kennzeichnet die Eigendynamik menschlichen Handelns und damit seine potentielle soziale Energie in der Geschichte. Die Kernwaffen sind Ergebnis menschlichen Handelns und deshalb historisch ambivalent. In ihnen verbinden sich wissenschaftlich-technische Fakten mit natürlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in einem komplexen Energiepotential. Seine Widersprüchlichkeit bestimmt Auftreten und Entwicklung der Kernwaffen bis an ihr Ende.  
   

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